Wahlempfehlung: Bitte geht zur ÖH-Wahl!

Nach mittlerweile drei Semestern im COVID-19-bedingten Distance-Learning haben einige Studierende ihre Hochschule noch nie von innen gesehen. Zwar ist (zumindest) das Hauptgebäude der Universität Wien, alleine schon wegen seiner historischen Bedeutung, eine Besichtigung wert, doch habe ich persönlich die Universität als physischen Raum immer auch als einen Ort der Begegnung und nicht zuletzt der politischen Diskussion erlebt. Ein Ort, an dem Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten, Träumen und Ansichten zusammenkommen und neue Freundschaften entstehen. Genau aus diesem Grund haben Studierende oft auch in der Geschichte eine entscheidende Rolle dabei gespielt politische und soziale Entwicklungen anzustoßen. Universitäten waren Katalysatoren gesellschaftlicher Auseinandersetzungen und Brutstätten innovativer Ideen.

Es ist daher schade, dass ausgerechnet während einer der größten Krisen in der jüngeren österreichischen Geschichte, die auch viele Studierende vor existenzielle Herausforderungen stellt, die Wahlen der ÖH-Studienvertretung kaum Aufmerksamkeit erhält. Die Krise hat das Potential zur Chance für das österreichische Bildungssystem zu werden, da plötzlich sehr viel in Bewegung geraten ist. Vor allem in der Digitalisierung der Lehre hat sich vieles getan, was vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Umso wichtiger ist es, dass sich die Studierenden auch aktiv einbringen können, um selbst mitzubestimmen, wie mit dem bildungspolitischen „Erbe“ der Coronakrise umgegangen werden soll.

Bei den letzten ÖH-Wahlen 2019 lag die Wahlbeteiligung bei nur 25,82%. Von je rund vier Studierenden nahm daher nur eine Person ihr Wahlrecht wahr, drei blieben zu Hause. Natürlich hat das Zuhausebleiben in Zeiten einer Pandemie eine ganz andere Bedeutung bekommen. Viele Studierende dürften sich gerade wahrscheinlich auch fern der Hochschulen aufhalten, was die Stimmenabgabe erschwert, auch wenn es glücklicherweise die Möglichkeit der Briefwahl gibt. Jedoch fehlen vor allem die Werbestände, Partys, Flyer und unzähligen persönlichen Gespräche mit Kaffee oder Kuchen, die normalerweise einen Wahlkampf ausmachen. Es besteht daher die begründete Befürchtung, dass die Wahlbeteiligung dieses Mal noch deutlich niedriger ausfallen könnte. Digitale Plattformen vermögen es nicht alle Aspekte zwischenmenschlicher Interaktion zu ersetzen.

Da eine Studienvertretung den Anspruch erhebt die Studierenden zu vertreten, schwächt eine niedrige Wahlbeteiligung die Verhandlungsposition dieser Institution. In diesem Sinne bitte ich euch bei den ÖH Wahlen vom 18.-20. Mai eure Stimme abzugeben. Gerade jetzt wäre es wichtig die engagierten Vertreter und Vertreterinnen aller Fraktionen für die nächsten zwei Jahre mit einem starken Mandat auszustatten, um die österreichische Bildungspolitik im Sinne der Studierenden zu gestalten!

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