Hinter verschlossenen Türen

Häusliche Gewalt ist ein Problem, das weltweit sehr prävalent ist und dennoch oftmals tabuisiert wird. Allein 2021 fielen weltweit 243 Millionen Frauen und Mädchen häuslicher Gewalt zum Opfer. Oftmals manifestiert sich häusliche Gewalt in Form von psychischer Gewalt wie Demütigungen und Drohungen und weitet sich zu physischer und sexualisierter Gewalt wie Schlägen und Vergewaltigungen aus. Auch die strukturelle Gewalt ist ein großes Problem, das zu häuslicher Gewalt beisteuert. Darunter versteht man die ungleichen Machtverhältnisse in einer Gesellschaft, durch welche Diskriminierung und ungleiche Lebenschancen für Frauen entstehen. Somit geht strukturelle Gewalt oftmals mit psychischer, physischer und sexualisierter Gewalt einher.

In Österreich wurden 2020 20.587 Opfer von häuslicher Gewalt in Beratungsstellen und Interventionsstellen betreut. Doch in dieser Zahl ist nicht die große Dunkelziffer der Frauen inkludiert, die sich nicht trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies ist oft darauf zurückzuführen, dass das Thema häusliche Gewalt tabuisiert wird und mit Scham und Angst verbunden ist. Somit kann nur spekuliert werden kann, wie viele Frauen jedes Jahr tatsächlich häuslicher Gewalt zum Opfer fallen.

Auch die Anzahl der Frauenmorde stieg über die letzten Jahre erheblich an. Im Jahr 2021 lag die Zahl der Femizide in Österreich bei 31 Opfern, die meisten wurden von dem Partner oder einem Familienmitglied ermordet. Somit hängen Femizide oft mit häuslicher Gewalt zusammen oder sind ein Resultat dessen. Mit Ende März 2022 wurden bereits acht weitere Frauenmorde verzeichnet und bei dieser Zahl wird es leider nicht bleiben. Diese Gewaltstrukturen sind weitverbreitet und es ist für Opfer nicht leicht häuslicher Gewalt zu entkommen. Gründe wie Armut oder Fremdenrecht erschaffen eine Abhängigkeit, denen Opfer von Gewalt nur schwer entfliehen können. Auch die Isolation vom sozialen Umfeld oder die Hoffnung, dass sich der Partner ändern könnte, bewegen einige Frauen dazu in ihrem gewalttätigen Umfeld zu bleiben.

Die Corona-Pandemie hat diesen Zustand noch verstärkt. Im Vergleich zum Jahre 2019 suchten 2020 um 9,92 % weniger Frauen Hilfe in einer der Frauenhäuser auf. Durch die Pandemie wurden viele Opfer ständig von ihrem gewalttätigen Partner kontrolliert und somit stellte eine Flucht für viele Frauen keine Möglichkeit dar.

Häusliche Gewalt kann ihren Ursprung in der Vergangenheit der Täter und der Opfer finden. Männer, die in ihrer Kindheit Gewalt beobachteten oder auch selbst erfahren haben, tendieren dazu Gewalt gegen ihre Opfer anzuwenden. Frauen hingegen, die in Gewaltstrukturen aufgewachsen sind, finden sich oft in ihrer Partnerschaft wieder Gewalt ausgesetzt. Somit spricht man von einer Weitergabe von Gewalt von Generation zu Generation. Natürlich gibt es auch andere Auslöser von häuslicher Gewalt, die nicht in der Vergangenheit verankert sind. Alltägliche Konflikte wie Eifersucht, sexuelle Ansprüche und die Erziehung der Kinder können Auslöser für häusliche Gewalt sein.

Was sollte man nun tun, wenn man jemanden kennt, der von häuslicher Gewalt betroffen ist? Wichtig ist es, die Betroffenen zu unterstützen, ihnen zuzuhören und ihnen Glauben zu schenken und sie nicht unter Druck zu setzen, aus ihren Partnerschaften zu fliehen. Am besten ist es, sich an eine Beratungsstelle zu wenden, die einem Tipps und Unterstützung bieten können, wie man sich in solch einer Situation verhalten sollte.

Wenn Sie selbst von häuslicher Gewalt betroffen sind, melde Sie sich unter den folgenden Telefonnummern für Hilfe. Weitere Informationen und Beratungsstellen finden Sie auf den folgenden Webseiten.

Österreich
österreichweite Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555
Frauenhäuser 05 77 22
Beratungsstelle 01/512 38 39
https://www.aoef.at/index.php/frauenhaeuser

Deutschland
Das Hilfstelefon 08000 116 016
https://www.hilfetelefon.de/das-hilfetelefon.html

Schweiz
Beratungsstelle für Frauen 044 278 99 99
Frauenberatung sexuelle Gewalt 044 291 46 46
https://www.stopp-gewalt-gegen-frauen.ch/hilfe-fuer-opfer

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