Die Rückseite der Medaille

Unter dem Motto „Schneller, Höher, Stärker“ fanden die olympischen Winterspiele 2022 in Peking statt. Die Spiele gehören zu den renommiertesten sportlichen Veranstaltungen und verkörpern den Traum vieler junger Sportler:innen. In wintersportlichen Disziplinen wie Snowboarden und Skispringen vertraten Athlet:innen ihr Land vor den Augen der Welt. Und während die meisten Sportler:innen einer verschneiten Landschaft entgegengefiebert haben, gehört das schneearme Peking zu den letzten Orten, die sich viele Menschen für die olympischen Winterspiele vorgestellt hätten.

Die ZDF-Dokumentation „Zwischen Propaganda und Corona“ zeigte Bilder von kahlen, grauen Flächen und Bergen. Dazwischen stechen Skischanzen und Rennstrecken heraus, die in weißer Pracht leuchten. Der Traum von Schnee erfüllt sich das Land mit hunderten Schneekanonen, die seit November die Pisten und Schanzen in weißen Kunstschnee hüllen. Mit einem Wasserverbrauche von 10 Liter in der Sekunde opfert eine der wasserärmsten Regionen Pekings Wasser aus ihren Trinkwasserseen, um die Landschaften zu beschneien. Dies war nur einer der Versuche Chinas ihr Land in diesen olympischen Spielen in seinem besten Licht zeigen. Um der Außenwelt das gewünschte Bild der olympischen Spiele und des Landes zu vermitteln, wurde die Berichterstattung der Spiele auf ausgewählte chinesische Medien beschränkt. Außerdem wurden die Athlet:innen streng von der Außenwelt abgeschottet und hatten somit nur beschränkten Kontakt zu anderen Medienkanälen.

Einige Länder sprachen ihren Boykott gegen die Spiele in China aus. Denn nicht nur landschaftsmäßig schien die Wahl des Landes fragwürdig zu sein, sondern auch die Menschenrechtssituation des Landes sorgten für Aufschreie. Menschenrechtsverletzungen und Arbeitslager sind ein aktuelles Thema in China. Ein Beispiel dafür sind die Uiguren, eine muslimische Minderheit, von denen sich aktuelle etwa eine Million in Umerziehungs- und Arbeitslager befinden. Bereits bei den olympischen Sommerspielen 2008 wurden die Spiele an Peking vergeben, obwohl die Menschenrechtsverletzungen Chinas bekannt waren. Seit diesen Spielen hat sich die Lage des Landes verschlimmert.

Somit stellt sich die Frage, wieso die Spiele in einem Land wie China stattfanden? Das Internationale Olympische Komitee (IOC), das den Ausführungsort der olympischen Spiele festlegt, äußerte sich zu dieser Frage mit der Behauptung, dass sie keinen Einfluss auf die menschenrechtliche Situation und die politische Lage eines Landes hätten. Stattdessen wäre es ihre Aufgabe darauf zu achten, dass keine Diskriminierung innerhalb der Spiele stattfinde. Die Human Rights Watch betonte die Wichtigkeit strenger Regeln für das Land, das die olympischen Spiele austrägt, insbesondre in Bezug auf Menschenrechte und wies die IOC vermehrt darauf hin, dass China solche Regeln erfühlen sollte, um die Winterspiele austragen zu dürfen. Diese Punkte wurden von der IOC jedoch nicht wahrgenommen und es gab keine klare Stellungnahme der IOC zu diesem Thema.

Somit suchten viele Menschen die Antwort bei Athlet:innen und riefen diese auf, sich öffentlich zu der Olympiade in China zu äußern und die Spiele zu boykottieren. Dennoch sollte diese Verantwortung nicht den Athlet:innen unterliegen. Der Athletensprecher Moritz Geisreiter sagte, dass das IOC dafür verantwortlich sei, die Menschenrechtslage eines Landes zu prüfen und eine Haltung an bestimmte Regeln einzufordern. Doch wie diese olympischen Winterspiele veranschaulichten, wurden keine solche Anforderungen an China gesetzt.  

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